Walk like an Egyptian (2)

Von Computern und Koffern

Es fing alles gut an. Wir hatten bereits am Vorabend eingecheckt und waren so früh vor Abflug am Airport, dass wir uns noch ein opulentes Frühstück 😜 in der Fraport-Kantine gönnen konnten. Am Gate lief auch alles glatt, denn wir konnten nahezu ohne Wartezeit in den Bus einsteigen, der nach uns die Türen schloss und sich in Richtung Vorfeld auf den Weg machte. Im Flugzeug (der üblichen, schrabbeligen 757) war es Condor-typisch eng aber das war uns ja klar.

Was uns nicht klar war, war warum der Flieger nicht losging, obwohl es an der Zeit war. Dies wurde aber schnell durch eine Durchsage des Piloten aufgeklärt, der mitteilte, dass einer der Navigationscomputer aufgrund eines Fehlers ausgetauscht werden musste (die Dinger laufen wahrscheinlich noch unter MS-DOS ⌨️), Safety first. Irgendwann waren dann alle Brücken ab, die Beladung fertig und das Belly zu – nur wir standen immer noch. Diesmal klärte es eine Ansage der Purserin, die uns mitteilte, dass ein Koffer „versehentlich“ entladen wurde. Dazu müsse man allerdings wieder den Laderaum öffnen und natürlich wieder die auf die längst abgefahrenen Ladeleutchen warten. Lange Rede, kurzer Sinn: über eine Stunde zu spät ging es dann endlich los.

Auch der Flug selbst hatte so einiges zu bieten. Neben der bereits erwähnten Enge (die man aber für 5 Stunden aushalten kann) war die Geräuschkulisse die Hölle. Zum Beweis hier ein Screenshot aus der Lärm-App.

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Was ich aber als absolute Frechheit empfand, war dass es noch nicht einmal mehr etwas zu trinken (Wasser/Kaffee/Tee) „aufs Haus“ gab. Bei unserem letzten Condor-Flug nach Madeira (ähnlich lange Flugzeit) war die noch der Fall. Stattdessen konnte man schlabberige, verpackte Sandwiches und Erfrischungsgetränke zu „Puffpreisen“ erwerben, welche dann von völlig überforderten Saftschubsen gereicht wurden, die auch noch nach der der zwanzigsten Cola in der Liste nachschauen mussten, was sie kostet.

Endlich angekommen musste der Pilot dann kurz vor dem Aufsetzen durchstarten. Eine Plötzliche Windböe hatte ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nichts dagegen, Safety first – aber so waren wir dann insgesamt mehr als anderthalb Stunden zu spät. Nach einer erstaunlich schnellen Einreiseprozedur warteten wir dann am Kofferband, wo der der Koffer meiner (kleinen) Tochter nicht aufzufinden war. Wohl aber ein sehr ähnlicher, der auch (wie ihrer) ein rotes Emirates Namensschild trug. Dem etwas überforderten Flughafenpersonal war es nicht zu erklären, dass es sich hier höchstwahrscheinlich um eine Vertauschung handelte. So nahm ich dann die Sache selbst in die Hand, denn der Koffereigentümer – übrigens ein Herr aus Wiesbaden – hatte seine Handynummer auf dem Tag notiert. Tatsächlich erreichte ich ihn als er schon im Taxi saß, welches er aber wenden und zurück fahren ließ, damit wir den Austausch vornehmen konnten. Gerade noch rechtzeitig, bevor unser Hotelshuttle ohne uns abgefahren wäre.

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Endlich im Hotel erfreuten wir uns dann an einem sehr ordentlichen Abendbuffet und ich konnte das vorzeitige Ende unserer jährlichen Fastenzeit mit diversen ägyptischen Bieren begehen, die übrigens gar nicht übel waren. Der Hesse würde sagen: zischt wie Abbelsaft. So ging es dann irgendwann erschöpft aber auch mit dem Tag wieder halbwegs versöhnt ins Bett, nicht aber ohne vorher festzustellen, dass nach solch einem Scheißtag das wichtigste fehlte, nämlich Klopapier.

Stay tuned

P.S. Liebe Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter, meine obigen Ausführungen beziehen sich nicht generell auf Eure Zunft sondern waren nur die Beschreibung meiner Erlebnisse auf diesem speziellen Flug.

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Eine Antwort auf „Walk like an Egyptian (2)

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  1. Kann ich mehr und mehr bestätigen. Fliegen ist nur noch zweckgebundenes, schnelles Erreichen eines Ziels. Die Flieger werden immer knapper im Sitzplatzbereich, schlechtes Essen kostet mittlerweile. Und das nicht nur auf kurzen Distanzen. Im Mai letzten Jahres flog ich von San Francisco nach Frankfurt. In einer 747! Mit United. So eine alte Kiste, so eng, so mieser Service und unfreundliches Personal habe ich bis dato noch nicht erlebt. Und dieser Flug dauerte! Knapp 12 Stunden! Eine Tortour!
    Aber sind wir nicht alle ein wenig selber Schuld? Mal ehrlich, wir wollen doch möglichst wenig ausgeben!? Dann muss man zwangsläufig die Erwartungen herabschrauben.
    Schönen Urlaub und gute Erholung noch!

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