Mach mal halbschnell

„Mach mal halblang“, im Sinne von sei nicht so voreilig, sei nicht so stürmisch, besinn dich, hat wohl jeder schon einmal gehört, gelesen und auch, wie gerade beschrieben, verstanden. Was soll also „Mach mal halbschnell“ bedeuten? Nun, als Redewendung sicherlich nichts, denn eine solche Redewendung gibt es ganz einfach nicht. Wohl aber als Vehikel zum Einstieg in diesen Beitrag, in dem ich Euch einmal wieder ein paar musikalische Neuzugänge präsentieren möchte, zusammen mit etwas klugscheisserisch präsentierten Halbwissen.

Um Euch nicht unnötig auf die Folter zu spannen (schon wieder eine Redewendung) geht es gleich los mit einer Greatest Hits Sammlung auf die ein 80ger-Jahre Synthipop-Fan wie ich einfach nicht verzichten kann: The Human League / A Very British Synthesizer Group. Natürlich in der Vinyl-Version, also in Form von drei Langspielplatten, bei denen half speed mastering zum Einsatz kam – womit wir endlich beim Thema wären. Beim half speed mastering bekommt der Schneidestichel, der die Vorlage ritzt, die Musik in halber Geschwindigkeit zugespielt und hat somit doppelt soviel Zeit, die Information zu Rille zu bringen, was sich deutlich klangverbessernd auswirken soll. Dies kann ich nur voll und ganz bestätigen, denn die Klangqualität ist fantastisch, selbst bei den ältesten Titeln, die nun ja schon mehr als dreißig Jahre auf dem Buckle haben. Dazu kommt da absolute Nicht-Vorhandensein irgendwelcher Kratzer, Knisterer oder anderer Unsauberkeiten. Als Krönung noch die liebevolle Ausstattung im stabilen Schuber, mit hochwertigen Inlays und einem Bonus-Beiheft mit einem ausführlichen Essay zur Geschichte der Band. Das ganze hat natürlich auch seinen Preis, der mir lange zu hoch war (Erscheinungsdatum war bereits  in 2016). Dank eines funktionierenden Amazon Preistrackers konnte ich aber endlich deutlich günstiger zuschlagen.

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Weiter geht es mit einer Fraktion, wo die halbe Geschwindigkeit nicht förderlich sondern eher abträglich ist. Ich meine natürlich Tonbänder und insbesondere Cassetten. Hier ist es nämlich so, das der Klang besser ist, wenn ihm viel Bandlänge zur Verfügung gestellt wird, sprich das Band mit hoher Geschwindigkeit am Tonkopf vorbeigezogen wird. So betrug die Geschwindigkeit eines (Spulen-)Tonbands einst 7,5ips (inches per second), dies wurde oft auf die Hälfte reduziert (3 3/4ips), weil das die Hälfte des Bandmaterials einsparte, wenn auch unter Hinnahme von Qualitätsverlusten. Nochmals halbiert, also auf 1 7/8ips wurde die Geschwindigkeit bei der Compact Cassette, welche anfänglich als völlig HiFi-ungeeignet eingestuft wurde. Doch dann kamen verbesserte Beschichtungen, optimierte Herstellungsprozesse und Rauschunterdrückungssysteme, die die Compact Cassette zum günstigsten und beliebtestem Musikmedium für Jahrzehnte machen sollten.

Ich habe bei Ebay gerade etwas aus der Spätzeit des Mediums (1992), mal wieder für einen Euro, geschossen: ZZTop Greatest Hits. Eine klasse Zusammenstellung spitzenmäßiger Rock- und Bluesrock-Nummern, teilweise mit schönem 80er-Appeal und in einer ganz nicht so üblen Klangqualität (Aufnahme mit Dolby B), die Leute Lügen straft, welche Cassetten nur als Träger von Rauschen und Ursache für Bandsalat abtun.

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Zum Schluss noch zwei DCCs (zu diesem Thema könnt Ihr schon hier und hier etwas lesen). Ja, es ist der Soundtrack von GREASE, denn meine Frau ist ein großer Fan davon (Jugenderinnerungen) und wir haben das Musical sogar schon einmal am Broadway gesehen. Als sie neulich neulich wieder einmal auf das Thema kam, wollte ich Sie überraschen, begab mich bei Discogs auf die Suche und wurde fündig bei einem netten Anbieter aus Holland, bei dem ich gleich noch den Commitments Soundtrack dazu orderte um ein wenig Versandkostendegression zu betreiben. Ihr müsst wissen, die holländische Post nimmt es von den Lebenden. Beide Tapes waren neu, noch in ihren Folien eingeschweißt und wurden nach Erhalt durch mich sozusagen entjungfert. Natürlich hätte ich beide Alben als CD für jeweils fünf Euro bei Amazon bestellen können, was ungefähr 20% meines Kaufpreises gewesen wäre – aber wo wären da der Spaß und das völlig überrascht blickende Gesicht meiner Frau geblieben 😜 😜.

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P.S. Wer es zum Thema half speed mastering etwas gebauer haben will, wird bei diesem Artikel fündig, der auch ein Interview mit einem Abbey Road Studios Tontechniker enthält.

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